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Ohrenschmalz entfernen: Mit oder ohne Wattestäbchen?

Papa Ben hat nur kurz nicht aufgepasst und schwups hat sich der kleine Luk ein Wattestäbchen beim Ohrenschmalz entfernen tief ins Ohr gesteckt. Der kleine schreit auf: „Aua“ und Ben dreht sich blitzschnell zu seinem Sohn um und fragt: „Was ist passiert?“

Auch Mama Ela trifft in diesem Moment im Bad ein und sieht, wie dem kleinen Luk das Blut aus dem Ohr läuft. Ela: „Du hast ihm nicht wirklich ein Wättestäbchen geben, oder?“ Ben: „Doch klar, die verwende ich doch auch immer.“

So oder so ähnliche Geschichten bekommen wir Ärzte immer wieder zu hören. Manchmal ist es auch das größere Geschwisterkind, das liebevoll versucht dem kleineren die Ohren zu putzen oder sind es die Eltern bzw. die Großeltern, die es selbst nicht besser wissen.

Kannst du die Ohren deines Kindes bedenkenlos mit Wattestäbchen reinigen?

Wattestäbchen gehören nicht in die Ohren! HNO-Ärzte raten vom Einsatz ab.

Wenn du gar nicht darauf verzichten willst, dann kannst du mit „Sicherheitsstäbchen“ (spezielle Wattestäbchen für Babys) den sichtbaren Ohrenschmalz in der Ohrmuschel entfernen, jedoch reicht hierzu auch ein Kosmetiktuch. Tiefer brauchst und solltest du mit deiner Reinigung gar nicht gehen.

Was spricht gegen die Verwendung von Wattestäbchen, um Ohrenschmalz zu entfernen?

Mit einem Wattestäbchen schiebst du den Schmalz nur weiter ins Ohr hinein, gegen das Trommelfell. Der Gehörgang läuft innen spitz zu, mit einem Wattestäbchen verstopfst du ihn nur. Ein Pfropf kann sich bilden, kleine oder größere Verletzungen entstehen oder es können sogar Bakterien in den Gehörgang gelangen. Durch das Hantieren mit einem Wattestäbchen kannst du auch das Trommelfell durchstechen. Folgen können Entzündungen und verminderte Hörfähigkeit sein. Und dann musst du bzw. dein Kind auf jeden Fall zum HNO-Arzt.


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Können auch dauerhafte Schädigungen entstehen?

Ja, das Trommelfell kann durchbohrt, die Gehörknöchelchen zerstört oder das Innenohr geschädigt werden. Das kann zu Schwindel, Gleichgewichtsproblemen und irreversiblen Hörverlusten führen. Wenn du Glück hast, wächst das Trommelfell wieder von alleine zu, wenn nicht, muss sogar operiert werden.

“Durch die Manipulation mit Wattestäbchen wird die Ohrenschmalz-Produktion noch angeregt.”

Dr. Ellen Ludershausen, Vizepräsidentin des Deutschen Berufsverbandes der HNO-Ärzte

Wie werden Kinderohren korrekt gereinigt?

Der Gehörgang muss gar nicht gereinigt werden. Unsere Ohren können sich selbst reinigen.

Du kannst die Ohren auch mit etwas lauwarmem Wasser und einem Waschlappen reinigen. Natürlich nur, wenn es nicht immer wieder zu Ohrenentzündungen kommt oder ein Loch im Trommelfell besteht. Professionell können die Ohren vom HNO-Arzt gereinigt werden.

Was wenn der Schmutz / Ohrenschmalz sehr hartnäckig ist?

Tatsächlich gibt es selten auch sehr verwinkelte Gehörgänge, die besser vom HNO-Arzt gesäubert werden. Teilweise kommt solch eine hartnäckige Verschmutzung auch bei älteren Menschen oder Schwimmern vor. Oder es ist tatsächlich Veranlagung.

Falls dich der Ohrenschmalz im Gehörgang stört, solltest du die Ohren professionell beim HNO-Arzt reinigen lassen.

Was ist Ohrenschmalz?

Das wachsartige Sekret der Gehörgangsdrüsen. Es besteht aus Schweiß und Zellmaterial und transportiert zusammen mit den feinen Härchen den Staub, Schmutz und Hautschuppen zur Ohrmuschel. Das Ohrenschmalz dient als Schutzfilm für den äußeren Gehörgang. Wenn Ohrenschmalz fehlt, kann sich die Haut des Gehörgangs sogar entzünden. Denn Ohrenschmalz hält die Haut des Gehörgangs geschmeidig und sorgt dafür, dass Krankheitserreger kein leichtes Spiel haben.

Was ist ein Ohrenschmalzpfropf?

Teilweiser oder vollständiger Verschluss des äußeren Gehörgangs durch angesammeltes, eingedicktes Ohrenschmalz. Dieser behindert die Schallübertragung auf das Trommelfell. Folge: Der Betroffene hört schlecht.
Weitere Symptome sind Schmerzen, dumpfes Gefühl, störende Ohrgeräusche und Schwindel.

Tipp: Bei intaktem Trommelfell einfach etwas lauwarmes Wasser beim Duschen in die Ohren laufen lassen, so bleibt das Schmalz geschmeidig.

Nach dem Duschen oder Schwimmbadbesuch klingt plötzlich alles dumpf?

Dann ab zum HNO-Arzt. Wahrscheinlich ist das Ohrenschmalz durch das Wasser beim Haare waschen bzw. Schwimmen aufgequollen. Der Arzt reinigt die Ohren und das unangenehme Gefühl im Ohr verschwindet wieder.

Ohren beim HNO-Arzt reinigen lassen, wie macht er das?

Zunächst schaut der Arzt mit dem Ohrenspiegel (Otoskop) in das Ohr, um ggf. Schäden, Infektionen, Fremdkörper, Tumoren, Hautschuppen oder den Pfropf zu beurteilen. Der Ohrenschmalzpfropf wird mit einem speziellen Häkchen oder Sauger entfernt. Die Ohren können jedoch auch mit körperwarmen Wasser mit wenig Druck ausgespült werden. Ein Ohrenschmalzpfropf kann zusätzlich mit speziellen Ohrentropfen gelöst werden.

Bitte auf keinen Fall: Mit einer auseinander geklappten Büroklammer, Pinzette, Zahnstocher oder anderen gefährlichen Gegenständen im Gehörgang herumstochern. Keine Selbstbehandlung mit Ohrenkerzen, Ölen oder Sprays.

Wer zahlt die professionelle Reinigung der Ohren beim HNO-Arzt?

Die Kosten für die Reinigung des Gehörgangs tragen in der Regel die gesetzlichen Krankenkassen.

Was du beachten solltest, wenn dein Kind ein Hörgerät trägt?

Trägt dein Kind ein Hörgerät, solltest du beim HNO-Arzt öfter eine Kontrolle des Gehörgangs durchführen lassen. Dieser kann die Ohren dann auch regelmäßig reinigen.

Du selbst bist Trägerin / Träger von Ohrstöpseln oder In-ear-Kopfhörern? Dann steigt das Risiko, dass sich Ohrenschmalz verstärkt ansammelt. Eine professionelle Reinigung beim HNO-Arzt kann notwendig werden.

Tipp einer Mama:

Dein Kind zieht am Ohr oder steckt sich den Finger ins Ohr? Vielleicht ist dein kleiner Schatz einfach müde.


Quellen

Aaron K, Cooper TE, Warner L, Burton MJ. Ear drops for the removal of ear wax. Cochrane Database Syst Rev 2018; (7): CD012171.

Clegg AJ, Loveman E, Gospodarevskaya E, Harris P, Bird A, Bryant J et al. The safety and effectiveness of different methods of earwax removal: a systematic review and economic evaluation. Health Technol Assess 2010; 14(28): 1-192.

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